Ausgabe 39

Mehr Menschen pro Quadratmeter - Wenn Schwaben in der Stadt leben wollen

Herr von Winning - der allerschwäbischste aller Träume: sich irgendwo sein eigenes Häusle hinstellen. In Ulm ist der ausgeträumt?
Aus ist der Traum nie - denn wir sind ja in Ulm die Großstadt in Baden-Württemberg mit dem höchsten Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern. Also: Es gibt diese Häuser und sie werden natürlich auch Bestand haben. Und das Gute ist, dass sie immer nach ein paar Jahrzehnten den Nutzer wechseln, sodass man auf jeden Fall gute Chancen hat, an eines dieser Häuser zu kommen.

Neue Wohnformen

Der Fachverlag „Die Wohnungswirtschaft“ vergibt 2026 zum 23. Mal seinen Zukunftspreis unter dem Motto „Wohnen⁺: Mehr als vier Wände“, ein Hinweis darauf, wie sehr sich das Verständnis von Wohnen gerade verschiebt: weg von der reinen Funktion des Unterbringens, hin zu Konzepten, die Nachbarschaft, Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit zusammendenken. Das ist kein Nischenthema für Architekturbüros mehr, sondern eine Frage, die uns alle betrifft, sobald wir volljährig werden und ausziehen wollen.

Unser Karli - bedingungslos geliebtes Sorgenkind?

Dort steht das Hochhaus neben Klinkerhäuschen und ihren grünen Innenhöfen - wo man gemeinsam grillt oder die Kinder in der Matschküche spielen lässt. Zwischen diesem ungeordneten Mischmasch an Bebauung haben sich lässige Cafés wie das „Animo“, das „Hungry Turtle“ oder Restaurants wie die Pizzeria „Pinocchio“ niedergelassen. Auch eine Klavierwerkstatt. Und dann ist da natürlich eben der Karlsplatz. Der eigentlich ein Park ist.

Das Blau.Quartier wird grün

Wer in ein paar Jahren nach langer Abwesenheit wieder einmal Ulm besucht, wird sich wohl verwundert die Augen reiben. Denn auf dem Areal an der Blaubeurer Straße, auf dem die Shoppingmall des Blautalcenters gestanden hat, findet man nun Wohnungen, Vorgärten, Dachterrassen, eine Kindertagesstätte und, ja, auch wieder Läden. Doch das Bild ist komplett neu. Nach über einem Vierteljahrhundert wird das 1998 eröffnete Einkaufszentrum, das zu den größten in Süddeutschland gehört hat, einem modernen Stadtquartier weichen.

Studentenbude mit Hallenbad auf dem Dach

„Meine erste Wohnung war eigentlich gar keine richtige Wohnung“, erinnert sich Oberbürgermeister Martin Ansbacher: „Als Student zog ich nach Augsburg und bezog ganz klassisch ein Zimmer in einer etwa 70 Quadratmeter großen WG. Die Einrichtung war, wie in vielen WGs, ziemlich spartanisch. Wie hoch die Miete damals war, weiß ich heute gar nicht mehr. Lange geblieben bin ich allerdings nicht. Die Sehnsucht nach Ulm war einfach zu groß. Mein Ausflug nach Augsburg dauerte deshalb nur kurz, und ich zog wieder zurück in meine Heimat."

Möbellager statt Sperrmüll: Leipheim macht es Ulm vor

Die schöne Kommode aus massivem Obstbaumholz war ein Geschenk eines Onkels, der sie nicht mehr nutzte. Sie fand ein zweites Leben in der Ulmer Wohnung der Nichte, doch nach einem Umzug war auch da kein Platz mehr. Zum Sperrmüll? Undenkbar! Sozialkaufhäuser in Ulm und Neu-Ulm nehmen nur Kleinmöbel wie Stühle oder Kinderbettchen an. Familie und Freunde hatte auch keinen Bedarf, fürs Verkaufen über Online-Portale fehlten Zeit und Lust. Die Lösung für das gute Stück war schließlich das Möbellager der Caritas, nicht etwa hier, sondern in Leipheim.

Unsere Gesellschaft wird stärker, wenn wir uns intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen

enn Katrin Albsteiger über Nachhaltigkeit in der Region nachdenkt, hat sie ein Bild von grünen Städten vor Augen. „Das liegt daran, dass ich eine große Anhängerin von Fassadenbepflanzungen bin“, so die Oberbürgermeisterin der Stadt Neu-Ulm. Heiner Scheffold sieht die vielfältige Schönheit des Alb-Donau-Kreises vor sich, mit einer starken Wirtschaft, einem großen gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Ich sehe auch viele PV-Freiflächenanlagen und zunehmend Windräder, die hoffentlich noch mehr werden“, so der Landrat.

Mehr als nur grün

Jeder entsiegelte und begrünte Quadratmeter ist wichtig für das Stadtklima. Seit diesem Jahr beteiligt sich die Stadt mit ihrem Entsiegelungsprogramm an der Initiative „abpflastern.de“. Jetzt kann sie eine zweite Fläche zur Wertung einreichen. Insgesamt wurden am Sudhaus in der Weststadt knapp 200 Quadratmeter neugestaltet. Rund 145 Quadratmeter entfallen auf neue Staudenflächen und Baumpflanzungen, weitere etwa 45 Quadratmeter auf eine neu angelegte Platzfläche mit Sitzgelegenheiten.

Biotreppe und andere Zumutungen: Was sich für Eigentümer*innen jetzt ändert

Was bringt die „Biotreppe“?

Um die Verantwortung für die Wärmewende in Richtung der Energieversorger zu verschieben, sieht das GModG vor, den Anteil erneuerbarer Energien an den Heizstoffen Öl und Gas schrittweise zu erhöhen – allerdings  erst nach der nächsten Bundestagswahl: 10 % ab 2029 | 15 % ab 2030 | 30 % ab 2035 | 60 % ab 2040. So soll das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erreicht werden. 

Die Wohnraumschaffer

Der Wohnungsmangel ist ein großes Problem in Deutschland. Eine sehr simple, aber zugleich teure und nicht nachhaltige Antwort darauf wäre es, mehr zu bauen. Doch wie man dem Problem von einem anderen Gesichtspunkt gegenübertreten kann, haben Studierende der HNU und weiterer Hochschulen im Rahmen einer Challenge der „Schwaben Innovation Masterclass“ für die Methode „Design Thinking“ gezeigt. Diese Methode zur Entwicklung neuartiger Lösungen für komplexe Fragestellungen aller Art wurde an der Hochschule Neu-Ulm entwickelt und erprobt.