Studentenbude mit Hallenbad auf dem Dach
Sie waren geräumig oder klein unterm schrägen Dach. Man wohnte allein oder man musste sich die Wohnung mit anderen teilen. Und manchmal diente die Badewanne sogar als Spülmaschine. Sieben bekannte Ulmer und Ulmerinnen erinnern sich für uns an ihre ersten eigenen vier Wände.
„Meine erste Wohnung war eigentlich gar keine richtige Wohnung“, erinnert sich Oberbürgermeister Martin Ansbacher: „Als Student zog ich nach Augsburg und bezog ganz klassisch ein Zimmer in einer etwa 70 Quadratmeter großen WG. Die Einrichtung war, wie in vielen WGs, ziemlich spartanisch. Wie hoch die Miete damals war, weiß ich heute gar nicht mehr. Lange geblieben bin ich allerdings nicht. Die Sehnsucht nach Ulm war einfach zu groß. Mein Ausflug nach Augsburg dauerte deshalb nur kurz, und ich zog wieder zurück in meine Heimat."
Baubürgermeister Tim von Winning bezog seine erste eigene Unterkunft für das Studium in Stuttgart: „Das war aufgrund der damals schon etwas prekären Wohnungssituation ein Kellerzimmer bei Bekannten. Nach einem dadurch etwas asketischen Semester konnte ich dann aber in ein kleines Zimmer in einer 2er-WG in einem für den Abbruch vorgesehenen Haus mitten im Stuttgarter Westen ziehen. Mit Nachtspeicheröfen und älterem Bad und Küche war der Komfort eher niedrig. Außer uns wurde im Gebäude nur noch eine andere Wohnung bewohnt, die Kehrwoche musste aber trotzdem gemacht werden. Dafür war das Zimmer mit knapp 300 Mark für damalige Verhältnisse sehr günstig."
Ungebetene Gäste: Dieter Lehmann, Vorsitzender des Generationentreff Ulm/Neu-Ulm e.V. zog es mit 19 Jahren an die Uni in Augsburg: „Damit hatte ich das erste richtige eigene Zimmer: Hochparterre zwischen eleganten Häusern aus den 1910er Jahren. Gegenüber residierte das Corps Saxonia Leipzig, eine schlagende Verbindung, wie ich später erfuhr. Meine möblierte Studentenbude war schlicht: Schlafcoach und ein mitgebrachter elektrischer Ein-Platten-Herd. Meine Vermieter, ein älteres Ehepaar, betrat offenbar während meiner Wochenenden in Ulm mein Zimmer. Als ich dann noch erfuhr, dass der Mann früher in der Waffen-SS gewesen war, zog ich aus.“
„Meine erste eigene Wohnung besaß ich Anfang der 90er-Jahre in München“, erinnert sich Kirsten Tretter. „Eine Freundin, die ich während meines Au-Pair-Aufenthalts in Paris kennenlernte, besaß in München-Pasing eine 3-Zimmer-Eigentumswohnung und ich konnte dort für sensationelle 150 Mark Miete wohnen“, so die Fachbereichsleiterin der Frauenakademie an der Ulmer Volkshochschule (vh): „Das war günstiger als im Studentenwohnheim. So wohnte ich während meines Studiums in einer großzügigen Wohnung mit Hallenbad auf dem Dach.“
Zähneputzen in der Küchenzeile: Simone Schliemann, Eine Welt-Regionalpromotorin bei der vh, zog nach dem Abitur in Stuttgart in ihre „erste eigene Bude“ - zentral gelegen, U-Bahn-Station in der Nähe, Minibalkon: „Unklar war lediglich, wie das mit dem Duschen gehen sollte: Es gab ein WC, aber kein Bad. Doch meine Mitbewohnerin Katrin und ich wurden zum Glück schnell Freundinnen. Die Küchenzeile zum Zähneputzen war nur über ihr Zimmer erreichbar, geduscht haben wir bei der Arbeit.“
Dr. Markus Marquard, Geschäftsführer des Zentrums für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm studierte 1987 in Darmstadt Politikwissenschaft, Pädagogik und Psychologie: „Im Martinsviertel in Laufnähe zur Uni und Stadtmitte habe ich ein Zimmer im Dachgeschoß im fünften Stock bekommen, im Sommer besonders heiß, im Winter dafür etwas kühler. Besonderes Highlight war die Badewanne in der Küche, so konnte ich das Geschirr über Tage stapeln und zusammen mit dem Duschen gleich auch noch das Geschirr spülen. Im Sommer sorgte die Hitze sogar dafür, dass ich nicht abtrocknen musste.“
Frühes Schneeschippen: Auch Susanne Steck kann sich noch gut und gerne an ihre erste Wohnung erinnern: „Sie hatte 85 Quadratmeter Grundfläche und war direkt unter dem Dach mit vielen Schrägflächen in einem Drei-Familien-Haus“, so die Marketing-Fachwirtin, die immer wieder zu „StadtGrünführungen durch Ulm“ einlädt: „Die Vermieter, ein älteres Ehepaar, wohnten im Haus nebenan. Die Miete damals, es ist jetzt fast 30 Jahre her, war mit 290 Euro warm sehr günstig. Der einzige Haken an der Sache war, dass man im Winter den Gehweg für beide Grundstücke freischaufeln musste - und das möglichst noch vor sieben Uhr.“
Stefan Loeffler
