Möbellager statt Sperrmüll: Leipheim macht es Ulm vor
Wohin mit Möbeln, die man nicht mehr braucht? Und die man weder aufwändig verkaufen noch zum Sperrmüll geben möchte? Verschenken und spenden wäre eine nachhaltige Lösung, doch da gibt es in der Großstadt Ulm kaum Möglichkeiten. Es lohnt ein Blick nach Leipheim, wo die Caritas ein Möbellager betreibt.
Die schöne Kommode aus massivem Obstbaumholz war ein Geschenk eines Onkels, der sie nicht mehr nutzte. Sie fand ein zweites Leben in der Ulmer Wohnung der Nichte, doch nach einem Umzug war auch da kein Platz mehr. Zum Sperrmüll? Undenkbar! Sozialkaufhäuser in Ulm und Neu-Ulm nehmen nur Kleinmöbel wie Stühle oder Kinderbettchen an. Familie und Freunde hatte auch keinen Bedarf, fürs Verkaufen über Online-Portale fehlten Zeit und Lust. Die Lösung für das gute Stück war schließlich das Möbellager der Caritas, nicht etwa hier, sondern in Leipheim. Dort werden gut erhaltene Schränke, Betten, Tische als Spenden angenommen und zu günstigen Preisen verkauft. Der Zweck dahinter: Menschen mit geringen finanziellen Mitteln aus der Region zu ermöglichen, diese kostengünstig zu erwerben.
Das Konzept funktioniert. „Seit fünf Jahren trägt sich das Möbellager selbst”, berichtet Mathias Abel, Geschäftsführer des Caritasverbands für die Region Günzburg und Neu-Ulm, zufrieden. 2025 wurden 1.310 gebrauchte Möbelstücke an neue Nutzer:innen verkauft und so vor der Sperrmüll-Vernichtung bewahrt. Darüber hinaus rund 20.000 Haushaltsgegenstände und ähnliches. Das Einzugsgebiet reicht übrigens bis in den Ulmer Raum.
Doch warum funktioniert das im Städtchen Leipheim und nicht in der Großstadt Ulm und in Neu-Ulm? Da haben sich schlicht zwei Partner gefunden, für die Nachhaltigkeit große Bedeutung hat. Die Fakten: Der Landkreis Günzburg baute vor rund 20 Jahren am Stadtrand von Leipheim ein Wertstoffzentrum neu und kam schon vorab mit dem Caritasverband als potenziellem Möbellager-Betreiber ins Gespräch. So wurde vom Kreis direkt auf dem Gelände gleich eine 600 Quadratmeter große Halle geplant und gebaut, für die Caritas eine „vernünftige Miete” bezahlt. Das passte nämlich gut in das Konzept des Landkreises, Dinge wiederzuverwerten, im Kreislauf zu halten und nicht zu entsorgen. „Wir vermeiden schließlich einige Tonnen Müll im Jahr”, betont der Caritas-Geschäftsführer.
Drei festangestellte Arbeitskräfte (ca. 30 Stunden) und 15 bis 20 Ehrenamtliche sorgen für Betrieb und Verkauf. Wertige moderne Möbel können sogar abgeholt werden, falls die Spender keine Transportmöglichkeit haben. „Wir fahren auch den Ulmer Bereich an, das kann allerdings dauern”, so Abel auf Nachfrage. Denn die Fahrt mit dem Transporter müsse sich schließlich lohnen: „Wir müssen die Dinge weiterverkaufen können.” So wird der knapp 30 Kilometer entfernte Ulmer Raum etwa einmal im Monat angesteuert.
Die Frequentierung des Möbellagers ist laut Abel gut. Die Randlage habe sich nicht als Nachteil herausgestellt, da viele Anwohner ohnehin das geräumige Wertstoffzentrum direkt daneben anfahren. Da werde dann auch gerne mal geschaut, was das Möbellager Interessantes zu bieten habe. Zwei Drittel der Käufer haben ein geringes Einkommen, Normalverdiener zahlen 30 Prozent mehr. Das ist angesichts der Qualität der Secondhand-Stücke - von der schwarzen Ledercouch bis zum modernen Kleiderschrank - noch immer günstig. Selbst Markenmöbel werden gespendet - für einen sinnvollen Zweck.
Wie könnte nach Abels Einschätzung ein solches nachhaltiges Projekt auch in Ulm und Neu-Ulm verwirklicht werden? „Es braucht einen Träger mit Mut. Und Leute in der Politik und der Abfallwirtschaft, die das unterstützen”, so der Experte.
In der Großstadt Ulm kein Platz für Möbelspenden?
Die Sozialkaufhäuser in Ulm nehmen keine Möbelspenden an. Oliver Riegg von der Neuen Arbeit winkt ab. Er habe im Secondhand-Laden an der Neu-Ulmer Memminger Straße weder den Platz für große Möbel noch Arbeitskräfte, die körperlich in der Lage wären, schwere Stücke zu schleppen. „Der Betrieb wäre für uns einfach nicht wirtschaftlich”, sagt Riegg. Andererseits sei der Bedarf wirklich da. Der Secondhand-Verkauf von Haushaltswaren und Kleidung laufe schließlich gut. Und es gebe fast täglich Anfragen von Leuten, die Möbel spenden wollten, weil sie zum Beispiel den Haushalt der Eltern auflösen müssten. „Nur dass eben der Verkauf von gespendeten Möbeln in Ulm und Neu-Ulm für die Neue Arbeit nicht machbar ist”, so Riegg.
So bleibt derzeit in Ulm die einzige nachhaltige und gemeinnützige Alternative die Online-Rubrik „TauschBar" der EBU, Entsorgungsbetriebe der Stadt. Unter www.ebu-ulm.de/tauschbar.php können die Nutzer kostenlos Fotos von Möbeln und Hausrat einstellen oder Gesuche posten. Alles weitere läuft direkt über die Anbieter. Ein ähnliches nicht-kommerzielles Portal gibt’s auch im Alb-Donau-Kreis: www.verschenkmarkt-alb-donau-kreis.de Das Portal der EBU wurde seit Neu-Einführung vor neun Monaten rund 8.500 mal besucht. Es gab ca. 300 Angebote, davon etwa die Hälfte Möbel. Gegenüber dem früheren Tausch- und Verschenkmarkt sei ein deutlicher Anstieg (mindestens Verdopplung) der Angebote zu verzeichnen. Dem stehen etwa 3300 Abholungen von Sperrmüll bis 2 m³ sowie 20.000 Anlieferungen auf den Recyclinghöfen im Jahr 2025 gegenüber.
Was wären die Voraussetzungen für ein Möbellager ähnlich wie in Leipheim? Laut EBU würde ein nicht-staatlicher Träger (Verein/NRO/Unternehmen) benötigt, der genügend Ressourcen für diesen Zweck und auch Interesse an dem Thema habe. Die EBU als kommunales Unternehmen könne keinen gewinnorientierten Wirtschaftsbetrieb führen, hieß es auf Anfrage. Man sehe auch das Platzproblem: Die Recyclinghöfe seien räumlich ausgereizt.
Gudrun Blickle
