Das Blau.Quartier wird grün

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Das Blau.Quartier wird grün

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Viele Gärten und Dachterrassen, jedoch keine Autos weit und breit. So stellen wir uns alle die Stadtviertel der Zukunft vor. In Ulm wird dieser Wunsch schon bald Wirklichkeit, denn das Blautalcenter wird zu einem vielseitigen Wohlfühlquartier.

Wer in ein paar Jahren nach langer Abwesenheit wieder einmal Ulm besucht, wird sich wohl verwundert die Augen reiben. Denn auf dem Areal an der Blaubeurer Straße, auf dem die Shoppingmall des Blautalcenters gestanden hat, findet man nun Wohnungen, Vorgärten, Dachterrassen, eine Kindertagesstätte und, ja, auch wieder Läden. Doch das Bild ist komplett neu. Nach über einem Vierteljahrhundert wird das 1998 eröffnete Einkaufszentrum, das zu den größten in Süddeutschland gehört hat, einem modernen Stadtquartier weichen. Ein stetig florierender Onlinehandel, die Auswirkungen der Corona-Pandemie waren nur zwei Gründe, weshalb das Zentrum seit langem unter einer hohen Leerstandsquote litt und letztlich nicht mehr rentabel war. Ein Trend, den man auch in anderen Städten erlebt, denn bundesweit ist die Entwicklung von dezentral gelegenen Fachmarktzentren rückläufig.

Das Ende als Neuanfang

Ulm sieht darin auch eine Chance. Denn die Schließung des Blautalcenters ist auch der Beginn von etwas ganz Neuem. Bereits 2022 gab der Ulmer Gemeinderat grünes Licht, den seit den 1990er-Jahren bestehenden Bebauungsplan zu ändern, um auf den über 60.000 Quadratmetern in den kommenden zehn Jahren ein belebtes, kleinteilig gestaltetes Stadtquartier mit unterschiedlichen Nutzungsformen und -konzepten aus Gewerbe, Büro, Handel, Wohnen, sozialen und kulturellen Einrichtungen, Freizeit - und Fitnesseinrichtungen entstehen zu lassen. Der Name: Blau.Quartier. Und das wird ganz schön grün, denn von Beginn der ersten Ideen an, spielte das Thema Nachhaltigkeit eine bedeutende Rolle. Aus diesem Grund wird das Gebäude des Blautalcenters auch nicht dem Erdboden gleichgemacht und komplett neu hochgezogen. Im ersten, östlichen Bauabschnitt wird ein Bereich des Erdgeschosses der Mall zum Zentrum des Quartiers. Dabei wird nicht nur die komplette auf Pfählen gegründete Tiefgarage bestehen bleiben, sondern - in einem späteren zweiten Bauabschnitt - auch einzelne Teile der vorhandenen Betonskelettstruktur.

Viel Bestand erhalten 

Für Peter Rimmele sind dies wesentliche Aspekte einer ökologischen und ökonomischen Transformation. „Dadurch, dass wir so viel Bestand erhalten wie möglich und sinnvoll ist, können wir große Mengen an grauer Energie einsparen“, so der Leiter der Abteilung Städtebau und Baurecht I der Stadt Ulm: „Dies waren klare städtische Vorgaben bei der Planung und Entwicklung des neuen Quartiers.“ Zudem verpflichtete die Stadt die Projektentwickler von Beginn an Landschaftsarchitekten bei der Ausgestaltung der Entwürfe miteinzubinden. Peter Rimmele: „Uns war es wichtig, so viele Grünflächen wie möglich zu schaffen.“ Dies ist jedoch keine einfache Aufgabe, da durch den bewussten Erhalt der Tiefgarage eine komplett unterbaute Fläche zu begrünen ist.

Kleine Blau mit Uferpromenade

Apropos Tiefgarage. Das Untergeschoss, das Platz für alle Autos der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner bietet, bekommt extra Stellflächen für Fahrräder, die durch eine separate Einfahrt bequem zu erreichen sein werden. Auch dies ist Teil des Mobilitätskonzeptes. Südlich grenzt das Blau.Quartier an die kleine Blau, die auch einen wesentlichen Teil der Planung einnimmt. Mittels einer Uferpromenade wird das Flüsschen bewusst aufgewertet und in einen öffentlichen Raum eingebunden, der so zum Ort der Begegnung und Entspannung werden soll - für alle Bewohnerinnen und Bewohner und für all diejenigen, die hier zufällig entlang spazieren und sich in naher Zukunft gar nicht mehr vorstellen können, wie das Areal hier früher einmal ausgesehen hat. 

Stefan Loeffler


Die Umwandlung des Blautalcenters in das „Blau.Quartier“ kann vorangehen. Das Regierungspräsidium Tübingen hat das Zielabweichungsverfahren zum Umzug des Sportfachmarkts Decathlon positiv beschieden. Damit wird der Umzug des Sportgeschäfts in das Fachmarktzentrum „homepark“ möglich. 

Da die Umsiedlung den Zielen des Landesentwicklungsplans und Regionalplans Donau-Iller entgegenstand, hatte die Stadt Ulm das Zielabweichungsverfahren beantragt. Es dient als Ausnahmeinstrument für atypische Fälle, die bei der Aufstellung von Raumordnungsplänen noch nicht erkennbar waren. Damit wird im Einzelfall ermöglicht, von den Zielen der Raumordnung abzuweichen, ohne die Grundzüge der Planung zu gefährden. Die Zustimmung zum Umzug ist an Auflagen geknüpft, deren Einhaltung die Stadt Ulm bei den weiteren Planungen sicherstellen muss. Dazu gehören die Begrenzung der Verkaufsflächen am neuen Standort entsprechend der bisher bestehenden Flächengrößen, der Beibehalt der Sortimentsstruktur mit einer Begrenzung der zentrenrelevanten Sportsortimente sowie der Ausschluss von Sportartikeln im künftigen Blau.Quartier.

Für das Fachmarktzentrum „homepark“ läuft parallel ein Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans, da das Sportsortiment an diesem Standort bislang nicht zulässig war. Der positive Bescheid aus Tübingen ist die entscheidende Voraussetzung, um dieses Verfahren abzuschließen. Der Abschluss des Verfahrens zur Änderung des Bebauungsplans ist nach der Sommerpause im zuständigen Stadtentwicklungsverband Ulm/Neu-Ulm anvisiert. Ziel ist es, die Verlagerung schnellstmöglich zu ermöglichen.