Von Südbangladesch in der Klimakrise lernen
Trotz hochsommerlicher Temperaturen kamen am 16. Juni mehr als 40 Menschen ins EinsteinHaus, um mit Gästen aus Bangladesch über die Folgen der Klimakrise und Wege der Anpassung ins Gespräch zu kommen. Jamuna Rani, Asmaul Husna und Sukanto Sen berichteten aus dem Distrikt Satkhira im Süden Bangladeschs, einer Region, die besonders stark von Überschwemmungen, Versalzung und Wirbelstürmen betroffen ist.
Im Mittelpunkt des Abends standen weniger die Bedrohungen durch Überschwemmungen, Versalzung und zunehmende Stürme als die Frage, wie Menschen unter diesen Bedingungen ihre Zukunft gestalten. Die Referent*innen machten deutlich, dass Anpassung vor allem dort gelingt, wo Gemeinschaften ihr Wissen teilen, sich organisieren und neue Wege ausprobieren.
Stärkung von Frauen verbessert die Situation der Familien
Ein Beispiel ist die wirtschaftliche Stärkung von Frauen. Jamuna Rani berichtete, dass viele Frauen in den Küstenregionen lange Zeit gezwungen waren, in der Garnelenzucht zu arbeiten. Stundenlang stehen sie dabei im Salzwasser, das in den Körper eindringt und schwere gesundheitliche Probleme verursacht. Schätzungen zufolge sind bis zu 80 Prozent der Arbeiterinnen von entsprechenden Erkrankungen betroffen. Durch das Schaffen alternativer Einkommensmöglichkeiten und den Zusammenschluss in Gruppen gewinnen viele Frauen in ihrem Distrikt heute mehr Unabhängigkeit und können ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern.
Auch die Ernährungssituation vieler Familien hat sich durch einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen verbessert. Sukanto Sen berichtete von Gärten, in denen Gemüse direkt neben den Wohnhäusern angebaut wird. Mit Kompost und Pflanzsäcken gelingt der Anbau selbst dort, wo die Böden durch Versalzung beeinträchtigt sind. Die Gärten tragen wesentlich dazu bei, die Ernährung von Kindern vielfältiger und gesünder zu gestalten und gleichzeitig die Ausgaben der Familien zu senken.
Lokale Saatgutbanken für mehr Unabhängigkeit
Ebenso wichtig sind lokale Saatgutbanken. Asmaul Husna schilderte, wie Gemeinden lokale Saatgutbanken aufbauen und Saatgut untereinander austauschen. Dadurch werden Kleinbäuerinnen und Kleinbauern unabhängiger von internationalen Konzernen und von teurem, oft wenig angepasstem Saatgut. Stattdessen können sie auf lokale Sorten zurückgreifen, die an die Bedingungen vor Ort angepasst sind und bleiben unabhängiger.
Angeregte Gespräche im Nachgang
In der anschließenden Diskussion nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Das Interesse an den Erfahrungen aus Bangladesch war groß – vor allem daran, was Menschen in Deutschland von ihren Lösungsansätzen lernen können. Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben viele Besucher*innen noch vor Ort. Viele wollten noch tiefer in die Themen des Abends eintauchen und griffen den Film „Leben und Hoffnung in einem Klima-Hotspot Bangladeschs“ als Möglichkeit auf, mehr von Projektteilnehmer*innen aus Bangladesch zu erfahren.
Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Ulmer Netz für eine andere Welt e.V., Ulmer Weltladen e.V., lokale agenda ulm, Ulmer Volkshochschule e.V. und Frauenakademie Ulm. Der Film ist in der NETZ-Mediathek online verfügbar.
Petra Schmitz
Im Verein NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit e.V. setzen sich Menschen in Bangladesch, Indien und Deutschland für Würde, selbstbestimmte Entwicklung und eine klimagerechte Zukunft ein. Ziel ist, nachhaltige Wege aus extremer Armut und für die Bildung aller Kinder, sowie gleiche Rechte, besonders von Frauen und Minderheiten zu schaffen – konsequent, gewaltfrei und auf Augenhöhe.
