Ausgabe 38

Nur einen Augenblick entfernt

Als gebürtiger Rheinländer leben Sie jetzt seit 30 Jahren in Ulm. Was hat sie an die Donau verschlagen? 
Das kann ich Ihnen ganz einfach beantworten: Meine Frau, die ich im Rheinland kennengelernt habe, ist beruflich nach Ulm gegangen und ich bin natürlich mitgekommen und fühle mich hier pudelwohl. Wir haben einen großen Freundeskreis. Mittlerweile habe ich mich auch an das Schwäbische gewöhnt, auch wenn ich es – im Gegensatz zum Schwyzerdütsch – nicht nachmachen kann. Aber ich verstehe … fast … alles und freue mich, dass ich da bin.

Vorsorgen hilft: Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt

„Stilles Sterben“ nennt Martin Herrmann den Hitzetod. Der promovierte Arzt ist Vorsitzender und Mitbegründer von KLUG, der Allianz für Klimawandel und Gesundheit. Bei Vorträgen fragt er sein Publikum mitunter, wie viel Prozent der Todesopfer durch Klimakatastrophen auf das Konto von Hitzewellen gehen. 20, 40 oder 70 Prozent? Die Antwort: 90. 

50 Grad sind schnell erreicht

Anders als Erwachsene haben besonders kleinere Kinder oder Babys noch keine gut ausgebildeten und trainierten Schweißdrüsen. Sie schwitzen deshalb weniger. Schweiß hilft dem Körper aber, sich selbst abzukühlen. Hinzu kommt, dass Kinder eine viel geringere Körperoberfläche haben, über die sie schwitzen könnten. Auch ein leicht geöffnetes Fenster bringt bei solchen Temperaturen wenig. Daher wird das Zurücklassen von kleinen Kindern als Straftat bewertet. 

Cool bleiben

Vorhang zu. Ein Ruck und schon wird es an einem heißen Sommertag kühl in der Wohnung. Bei Gabriele Renner wird es noch kühler. Denn die Geschäftsführerin der Ulmer Pervormance International GmbH hat gemeinsam mit ihrer Schwester Sabine Stein einen Vorhang mit einer Kühlung von bis zu 660 Watt entwickelt, der zehn Stunden lang für ein gesundes Raumklima sorgt. Und das geht so: Der Vorhang wird mit Wasser besprüht, das an dem Hightech-Vlies haften bleibt und nicht auf den Boden tropft. 

Wenn die Stadt Wasser aufsaugt und wieder abgibt

Kopenhagen hat sich nach einer Unwetterkatastrophe im Jahr 2011 zu so einer Schwammstadt umbauen lassen. Da ist zum Beispiel der Bolzplatz im Park. Schüttet es mal wieder wie aus Eimern, verwandelt der sich in eine übergroße Badewanne. Sie kann 23 Millionen Liter Wasser fassen. Wasser, das womöglich Keller und Wohnungen fluten würde. Den Sportplatz haben Architekten extra tiefer gelegt. Genauso einen Rosengarten und einen kleinen See. So können alle drei noch mehr Wasser aufnehmen. In einem unterirdischen Becken wird Regenwasser aus den Dachrinnen des Viertels gesammelt.

Cool down, aber zackig!

Margrit Weig aus Einsingen meidet die Ulmer Innenstadt an einem heißen Sommertag. Wenn sie doch mal in die Stadt muss, sucht sie die Nähe zur Donau. Der Fluss kühlt die Umgebungsluft um ein bis drei Grad ab. Das Wasser verdunstet und entzieht dabei der Luft Wärme. Grundsätzlich wünscht sie sich für Ulm mehr Grün, damit es auch in der direkten Innenstadt, rund um die Geschäfte, kühle Oasen gibt. Bitteschön, ihr Wort in der Stadtverwaltung Ohren. 

Wassermelone, Wickel und Wannenbäder

Grundlage ist ein Stufenplan, der sich an den Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes orientiert. Dabei gibt es fünf Stufen, beginnend bei präventiven Maßnahmen bis hin zu Maßnahmen bei lang andauernden Hitzeperioden. Für jede Einrichtung gibt es Verantwortliche für die Anwendung des Hitzeschutzplans. Diese sollen aus den für die jeweilige Stufe vorgeschlagenen Maßnahmen diejenigen auswählen, die für ihre Bewohner und Mitarbeitenden relevant sind und am besten dazu beitragen, Bewohner und Mitarbeitende möglichst gut vor Sommerhitze zu schützen bzw.

Ist noch Wasser da?

Den größten Teil des Ulmer Stadtgebiets und den Süden versorgen die SWU aus den Brunnen der „Roten Wand“ an der Iller mit Trinkwasser. Die Ortsteile Lehr, Mähringen und Jungingen erhalten Wasser vom Zweckverband „Ulmer Alb“ mit Brunnen z.B. im kleinen Lautertal. Immer wichtiger wird auch der Anschluss an die Landeswasserversorgung (LW), damit bei Engpässen weiter Wasser aus dem Hahn fließen kann. Die LW bezieht das Trinkwasser vor allem aus dem Donaumoos bei Langenau, aber auch aus aufbereitetem Donauwasser. Nicht nur Dürreperioden können zu Wassermangel führen.

Ulms Weg zur Nachhaltigkeit

„Vision 2030“, „Klimaneutralität“, „nachhaltige Stadtentwicklung“ – Begriffe, die uns aus Berichten, Nachrichten und Debatten längst vertraut sind. Doch ihre Botschaft ist ebenso einfach wie dringlich: In den Städten entscheidet sich der Wandel, denn auf sie entfallen über 70 % der weltweiten CO₂-Emissionen, 66 % des Energieverbrauchs und mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Über 75 Prozent der Europäer leben in urbanen Räumen. Wie wir uns dort fortbewegen, heizen, einkaufen und mit Ressourcen umgehen.