HNU will bis 2040 treibhausgasneutral sein
Die Hochschule Neu-Ulm (HNU) legt mit ihrem ersten integrierten Klimaschutzkonzept eine umfassende Energie- und Treibhausgasbilanz für das Basisjahr 2022 vor. Ziel ist es, in zwei Emissionsbereichen bis 2040 treibhausgasneutral zu werden.
„Klimaschutz ist für uns nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung“, betont Prof. Dr. Julia Kormann, Vizepräsidentin der HNU: „Mit unserem Klimaschutzkonzept schaffen wir eine fundierte Grundlage, um als Hochschule aktiv zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen – in der Lehre, in der Forschung und im täglichen Betrieb.“
Mit dem vor kurzem vorgelegten Klimaschutzkonzept baut die Hochschule ihren aktiven Beitrag zur nachhaltigen Transformation weiter aus. Im Fokus des Konzepts, das im Rahmen des Projekts „Erstvorhaben Klimaschutzkonzept und Klimaschutzmanagement“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wurde, steht nicht nur ein technischer Maßnahmenkatalog zur Emissionsreduktion, sondern ein gesamtinstitutionelles Verständnis von Klimaschutz, das auf Transparenz und Partizipation fußt. In entsprechend enger Zusammenarbeit mit internen und externen Akteuren, unter anderem Studierende, Lehrende, Verwaltungsmitarbeitende, Partnerhochschulen und das Studierendenwerk wurde das Konzept entwickelt, und gleichermaßen partizipativ ist auch die dazugehörige Kommunikationsstrategie angelegt.
Pendelmobilität ist größte Emissionsquelle
Ein zentrales Element des Konzeptes stellt die Treibhausgasbilanz für das Jahr 2022 dar, die sämtliche Energieverbräuche und Emissionen der Hochschule nach den international etablierten Scopes aus dem Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) erfasst. Dazu zählen direkte Emissionen, zum Beispiel aus Heizungsanlagen und Dienstfahrzeugen (Scope 1), indirekte Emissionen aus Energiebezug von etwa Strom und Fernwärme (Scope 2) sowie weitere indirekte Emissionen in Scope 3, etwa aus den Bereichen IT oder Mobilität, dem definitiv größten Emissionstreiber. Dabei verursacht der tägliche Pendelverkehr von Studierenden und Mitarbeitenden ca. 912 Tonnen CO2-Äquivalent, gefolgt von Dienstreisen, Austauschprogrammen und Exkursionen. Weitere relevanten Faktoren in diesem dritten Bereich sind der Einkauf von IT-Geräten oder auch die Nutzung externer Rechenzentren. Mit dem Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2040 in den Bereichen Scope 1 und 2 orientiert sich die HNU an den Zielen des Bayerischen Klimaschutzgesetzes.
Über 4.300 Hochschulangehörige
Die Bilanzierung erfolgte mithilfe des Tools „BayCalc“ des Bayerischen Zentrums für nachhaltige Energien (BayZeN), das sich ebenfalls am GHG-Protocol orientiert. Der Bilanzierung werden Kerngrößen wie Emissionen pro Quadratmeter Nettoraumfläche bzw. pro Studierende zugrunde gelegt. Für das Jahr 2022 wurden die Gesamtemissionen der HNU mit rund 2.049 Tonnen CO₂-Äquivalenten bilanziert. Zum Zeitpunkt der umfassenden Bestandsaufnahme verzeichnete die HNU 4.324 Hochschulangehörige - Studierende und Beschäftigte.
Aktive Beteiligung ermöglichen
Auf Basis der Emissionsbilanz und einer entsprechenden Potenzialanalyse wurden neben sieben zentralen Minderungsmaßnahmen, die sich direkt auf Scope 1 und 2 auswirken, etwa der Ausbau von Photovoltaik, Wärmepumpen oder eine Umstellung der Dienstwagenflotte, auch weitere Maßnahmen hin zu mehr Nachhaltigkeit entwickelt. Hierzu zählt beispielsweise der Ausbau von E-Ladeinfrastruktur und die Einführung von Aktionstagen und Informationsveranstaltungen. Denn: Die Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzkonzeptes und richtet sich primär an Studierende und Beschäftigte sowie Dritte. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen, Bewusstsein zu fördern und aktive Beteiligung zu ermöglichen. Zudem strebt die HNU eine enge Zusammenarbeit mit externen Partnern, zum Beispiel mit anderen Hochschulen, der Stadt Neu-Ulm und regionalen Netzwerken an.
Die Umsetzung des Konzeptes erfolgt über die bestehende Nachhaltigkeitsstruktur der Hochschule, insbesondere durch den Steuerungskreis Nachhaltigkeit und den neu eingerichteten Arbeitskreis Klimaschutzmanagement. Er wurde ins Leben gerufen, um die Maßnahmen aus Scope 1 und 2 gezielt zu steuern. Ein jährliches Monitoring der Treibhausgasbilanz ermöglicht die Überprüfung des Fortschritts und die Weiterentwicklung der Maßnahmen.
Nachhaltige Bauweise
Umweltbewusstes Denken und Handeln ist fest in der Struktur der HNU verankert – so wurden bereits vor der Konzepterstellung zahlreiche bauliche und organisatorische Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt. Die Gebäude A und B zeichnen sich durch nachhaltige Bauweise mit Regenwassernutzung, Wärmerückgewinnung, Grundwasserkühlung und Gebäudeautomation aus. Der Stromverbrauch wird zu 99 Prozent durch Ökostrom abgedeckt. Die Wärmversorgung der beiden Gebäude auf dem Campus im Wiley-Gelände erfolgt über Fernwärme. Die Photovoltaikanlage auf dem Gebäude A produziert jährlich 45.000 kWh Strom - etwa 47 Prozent davon werden direkt selbst verbraucht. Das Gebäude B verfügt über eine Dachbegrünung. Zudem wurde bei der HNU digitale Verwaltungsprozesse eingeführt, die Anzahl der Drucker reduziert, sensorgesteuerte Armaturen in den sanitären Bereichen installiert sowie bei den Beleuchtungen auf LED umgestellt. Um noch mehr Studierende dazu zubewegen mit dem Fahrrad zu den Vorlesungen zu kommen, findet man auf dem Campus seit einiger Zeit auch entsprechende Reparaturstationen und E-Ladesäulen.
Stefan Loeffler