Was soll ins Kinderzimmer?

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Was soll ins Kinderzimmer?

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Mit Regina Witte, Mitglied des Vorstands des Ulmer Vereins „spiel gut“ haben wir darüber gesprochen, was nachhaltiges Spielzeug ist. Der Verein testet regelmäßig Spielzeug und vergibt dann das orangefarbene „spiel gut“-Siegel.


Frau Witte, lieber Spielzeug aus Holz oder Plastik?
Gutes, nachhaltiges Spielzeug ist nicht unbedingt aus Holz. Für uns als „spiel gut“ ist ein Spielzeug nachhaltig, wenn es einen hohen Wiederspielwert hat und viele Jahre lang interessant bleibt. Zum Beispiel Konstruktionsmaterial, Bauklötze oder Kugelbahnen. Nachhaltig ist generell auch Spielzeug, mit dem über Generationen hinweg gespielt werden kann - weil es eine gute Qualität hat und einen hohen Aufforderungscharakter.

Also wenn bestenfalls meine Oma schon damit gespielt hat? Oder damit noch immer gerne mit dem Enkelkind spielt?
Ja. Gerade ist eine Ritterburg aus Holz bei uns eingetroffen. Diese wird vermutlich nicht nur für ein Kind gekauft, sondern schon auf Grund des Anschaffungswertes gerne weitergegeben.  

Wie das Puppenhaus früher?
Genau. Ebenso wie der Kaufladen oder die Spielküche. Spielzeug, mit dem man den Alltag nachspielt und Emotionen verarbeitet, wird nie aus der Mode kommen.

Erweiterungsfähiges Spielzeug ist also auch nachhaltig, weil die Basis schon vorhanden ist und sie dann Stück für Stück dem Alter und den Interessen entsprechend erweitert werden kann?
Genau. Ebenfalls eine schöne Idee ist ein Gemeinschaftsgeschenk, bei dem vielleicht auch etwas höherpreisig geschenkt werden kann, statt einzelne „billige“ Spielsachen zu kaufen, die nach kurzer Zeit in der Ecke liegen. Viele Firmen haben das bereits erkannt und bieten auch Packungsgrößen in unterschiedlichen Preissegmenten an.

Wie bei Lego oder Playmobil. Jeder kennt es. Aus Plastik, unzerstörbar. Man kann so viel Verschiedenes daraus bauen, immer wieder zerlegen, Neues erschaffen. So lange es nicht im Müll landet, ist Plastik ja auch nicht verwerflich…?
Ausschlusskriterium ist bei „spiel gut“ aber PVC als Material - egal, ob in der Verpackung oder als Spielzeug. Dass sie dies nicht verwendet haben, müssen uns die Firmen in einem Materialbogen bestätigen. Nur bei untergeordneten Kleinteilen, die man nicht oder nur schwer ersetzen kann, wie bei Fischertechnik die Isolierung der Kabel, ist es für uns ok.

Gibt es auch zunehmend Plastik, das recycelt ist oder aus biologisch abbaubarem Plastik wie Maisstärke besteht?
Ja, wir haben beispielsweise ein Rutschfahrzeug (Anm. der Red. das Bobbycar) mit unserem Siegel ausgezeichnet, bei dem die Karosserie aus mindestens 70 Prozent recyceltem Plastik hergestellt ist. Ebenso Sandspielzeug oder Puppengeschirr aus Zuckerrohr.

Woran erkenne ich Bioplastik? Ist das immer in Pastelltönen? Zumindest sieht man das gerade öfter so…
Bioplastik wird auf der Verpackung angegeben. Die Farben sind meistens pastellfarben auf Grund des Herstellungsprozesses - und natürlich auch der Mode unterworfen. Gerade ist „Nordic“ angesagt.

Das Spielzeug muss zur Einrichtung passen…
So ist es! (Lacht) Die Hersteller reagieren auf Trends.

Und dabei erinnere ich mich: Als Kind musste bei mir immer alles möglichst bunt sein. 
Unser Grundsatz: Ein Spielzeug sollte nicht mehr als drei Farben haben, und klare Formen. Außerdem ist uns wichtig, dass sich das Kind mit einem Spielzeug identifiziert und eine Beziehung dazu aufbaut. Dann ist die Gefahr nicht so groß, dass es schnell durch etwas Neues ausgetauscht wird. Spielzeug sollte wertig sein – was nicht unbedingt teuer bedeutet. Das heißt vielmehr, man kann Ersatzteile bekommen und das Spielzeug reparieren. Unsere neue Broschüre „schenken – leichter gemacht, Spielzeug unter 25 Euro“ beinhaltet viele Ideen für gutes und günstiges Spielzeug.

Was ist Ihr Must-Have im nachhaltigen Kinderzimmer?
Ich bin absoluter Fan von Kugelbahnen. Sie können mitwachsen und ermöglichen viele Jahre lang andauernden Spielspaß. Sie werden in Holz oder Plastik angeboten. Es geht dabei genauso ums Bauen, wie Problemlösung und Phantasie. Ebenso mag ich: Kaufladen, Rennbahn sowie Bauklötze und Material zum Gestalten - wie Malfarben, Knete; also alles, was die Fantasie beflügelt. Und natürlich Spielzeuge, die die Kinder emotional abholen, zum Beispiel der Liebling zum Kuscheln.

Isabella Hafner

www.spielgut.de