Jeder kann einen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas leisten
Durch den Klimawandel werden Innenstädte zu Hotspots, die Gesundheut und Wohlbefinden gefährden. Die Stadtplanung ist gefordert, sommerliche Hitzewellen zu berücksichtigen, aber auch Bürgerinnen und Bürger können ihren Beitrag zu einem besseren Stadtklima leisten. Unser Nachwuchsredakteur Benjamin Loss sprach mit Sean Wieland vom BUND.
Sean, du bist Fachmann für Stadtbäume und urbanes Grün und hast dich viel mit den Folgen des Klimawandels für unsere Städte beschäftigt. Welche Maßnahmen kann man ergreifen, um das Stadtklima im Sommer zu verbessern?
Wenn die Temperatur im urbanen Raum höher ist als in angrenzenden Flächen, nennt man das Wärmeinseleffekt. Dieser hängt stark vom Verdichtungs- und Bebauungsgrad ab und wird verstärkt durch hohe Gebäude und enge Gassen. Die Stadtstruktur beeinflusst Luftströmungen und Hitzebelastung. Um die Temperatur zu senken, kann man sogenannte Kaltluftleitbahnen erzeugen. Dafür muss man Flächen schaffen, wo die Luft Anlauf nehmen kann. Dadurch wird die Kaltluftzufuhr gefördert und es bilden sich seltener Wärmeinseln. Auch Farben sind eine Möglichkeit, die Temperatur zu regulieren. Das heißt, eher hellere Farbtöne zu nutzen, da diese das Licht reflektieren und nicht absorbieren.
Eine der am häufigsten umgesetzten Maßnahmen ist es, zu entsiegeln und frei gewordene Flächen zu begrünen. Dabei liefern Bäume einen großen Mehrwert, da sie sowohl die Lufttemperatur durch Verdunstung reduzieren als auch Schatten spenden und so die Oberflächentemperatur bis zu 10 °C senken können. Besonders effektive Baumarten sind zum Beispiel Linden, Platanen, Ahornarten und Hainbuchen. Diese erzeugen viel Schatten und Verdunstungskühle, wie städtische Klimaanalysen zeigen.
Außerdem kann das Zusammenschließen von Grünzügen einen großen Mehrwert für das Stadtklima haben. So können das Zusammenwachsen von Siedlungsflächen verhindert und Freiräume geschaffen werden, die als Erholungsorte dienen.
Welche Vorkehrungen kann man im Privaten treffen?
Balkone bieten eine gute Möglichkeit, ungenutzte Flächen zu begrünen. Denn meistens sind Balkone Bereiche mit viel Beton und Steinen, die die Wärme speichern. Dadurch können sie in Summe das Stadtklima negativ beeinflussen. Wenn man Balkone stattdessen mit Pflanzen bestückt, haben sie sogar einen positiven Effekt. Allgemein ist es förderlich, Steine zu vermeiden zum Beispiel in Vorgärten und Terrassen. Stattdessen kann man Holz oder bestenfalls Pflanzen nutzen.
Wo gibt es in Ulm bereits kühlere Flächen und wo besteht noch Handlungsbedarf?
Gute Beispiele für angenehme Bereiche im Sommer sind das Donauufer und die Donauauen. Dort existieren große zusammenhängende Grünflächen, welche sich durch Schatten und Kaltluft im Sommer als Aufenthaltsort empfehlen. Auch an der Blau herrscht im Sommer ein gutes Klima, da Flüsse von Natur aus Kaltluftleitbahnen erzeugen und ganzjährig konstante Temperaturen aufweisen. Im Zuge der Landesgartenschau wird ein Grünring rund um Ulm angelegt. Dieser soll über das Blaubeurer Tor, das Ehinger Tor, das Donauufer, das Ostglacis und zurück zur Wilhelmsburg verlaufen.
Hochversiegelte Flächen, wie zum Beispiel die Hirschstraße mit hohen Häusern und wenig Grün und die Blaubeurer Straße zeigen vorhandene Mängel auf. Ein extremes Beispiel stellt das Industriegebiet Donautal dar. Dort bestehen riesige versiegelte Flächen und kaum Grünflächen. Würde man dort entsiegeln, könnte man Kaltluftleitbahnen erzeugen, welche einen Einfluss auf das Klima des Stadtzentrums hätten.
Was lässt sich als Fazit festhalten?
Zum einen, dass es auf jeden Fall Möglichkeiten gibt, das Stadtklima zu optimieren. Vor allem in Hinsicht auf Entsieglung und Begrünung. Dabei kann jede und jeder einzelne mitwirken und einen positiven Beitrag leisten. Gleichzeitig gibt es aber an vielen Abschnitten noch Handlungsbedarf, dem sich die Stadtplanung widmen sollte.
Benjamin Loss
