Ein entscheidender Moment

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Ein entscheidender Moment

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Sie kämpfte um das Leben eines schwerverletzten Mannes. Dafür erhielt die 33-jährige Julia Schlumberger nun als erste Frau den Ulmer Preis der Zivilcourage, der seit vier Jahren vergeben wird.

Im entscheidenden Moment schoss ihr Herzschlag auf 170. Das konnte Julia Schlumberger später auf ihrer Pulsuhr nachsehen: „Das war so, also ob ich auf dem Fahrrad Vollgas gebe.“ Es war der Moment, als die Polizistin im Sommer des vergangenen Jahres auf einem privaten Spaziergang an der Donau einen bewusstlosen Mann auf dem Asphalt entdeckte und nach einem Notruf unverzüglich mit der Reanimation begann. Auch wenn sie den Schwerverletzten durch ihre Wiederbelebungsversuche nicht mehr retten konnte, war eben genau dieser Moment für Dieter Lehmann ein „Akt der Menschlichkeit, der uns alle bewegt.“ Und es ist der Grund, weshalb der Vorsitzende des Generationentreff Ulm/Neu-Ulm den von ihm ausgelobten Preis der Zivilcourage in diesem Jahr an die 33-Jährige vergab. 

Übereicht wurde die bronzene Skulptur, die von der Künstlerin Elke Traue entworfen wurde, im Rahmen des Neujahrsempfangs der beiden Städte Ulm und Neu-Ulm von den beiden Stadtoberhäuptern Martin Ansbacher und Katrin Albsteiger. Dieter Lehmann sagte in seiner Laudatio über die Erste Polizeihauptmeisterin: „Ihr Engagement ist Ausdruck einer Haltung, die über den Moment hinausreicht. Es ist Teil eines bürgerschaftlichen Selbstverständnisses, das unsere Gesellschaft trägt.“ Für ihn lebe die Zivilgesellschaft von Menschen wie Julia Schlumberger: „Menschen, die nicht wegsehen. Menschen, die handeln. Menschen, die sich einbringen - im Alltag, im Beruf, im Ehrenamt.“

Nicht nachgedacht, sondern gehandelt

Obwohl Julia Schlumberger, die im Ulmer Polizeipräsidium arbeitet und auf Streife geht, sich sehr über diese Auszeichnung freut, so war dieser entscheidende Moment an diesem sonnigen Tag damals am Flussufer für sie eine Selbstverständlichkeit. „Ich habe nicht lange nachgedacht, sondern gehandelt.“ Klar ist sie auch ein bisschen stolz auf sich, dass sie sich getraut habe: „Aber ganz sicher hätte ich mich schlecht gefühlt, hätte ich nichts unternommen.“

Aber das kam, wie bereits erwähnt, nicht in Betracht. Und das wird auch nie die Frage sein, denn Julia Schlumberger möchte Menschen in Not ganz einfach helfen. Und das ist auch mit ein Grund, weshalb sie nach dem Abitur im Jahr 2012 ihre Ausbildung bei der Polizei begonnen hat. Für sie war das immer eine glasklare Sache. „Einen Plan B hatte ich nicht“, so die Mutter eines Sohnes, die sich in ihrer Heimatgemeinde Beimerstetten ehrenamtlich im Elternbeirat und als Leichtathletiktrainerin engagiert. 

Obwohl sie in ihrem Job in allen Situationen jederzeit die Kontrolle behalten möchte, kam der Preis dann auch für sie überraschend und war auch aus einem anderen Grund eine große Freude. Nach der Preisverleihung im Ulmer Rathaus wurde sie von einer Frau angesprochen, die zu ihr sagte: „Wenn mir einmal etwas passiert, dann möchte ich gerne von Ihnen gerettet werden.“ Ein schöneres Lob kann man sich kaum vorstellen. 

Stefan Loeffler