Feuchtgebiete – wertvolle Lebensräume und Klimaschützer
Der 2. Februar ist seit 1997 Tag der Feuchtgebiete. Der Tag wurde eingeführt, um ein größeres Bewusstsein für ihren Schutz herzustellen. Doch warum sind Feuchtgebiete wichtig und müssen instandgehalten und geschützt werden?
Feuchtgebiete gehören zu den vielfältigsten und zugleich schützenswertesten Landschaftstypen der Erde. Dazu zählen Moore, Auenwiesen, Niedermoore, Sümpfe, Bruchwälder und Feuchtwiesen. Charakteristisch für diese Gebiete ist ein hoher Wasserstand – dauerhaft oder saisonal –, der besondere Lebensbedingungen schafft. Ökologisch sind sie von enormer Bedeutung: Ihre Böden sind reich an organischem Material, sie filtern Wasser, puffern Hochwasser und bieten zahlreichen Pflanzen und Tieren Lebensraum, darunter viele Vögel, Amphibien, Libellen und seltene Pflanzen. Durch die hohe Produktivität und Strukturvielfalt entstehen Nahrungs- und Nistplätze, Rast- oder Überwinterungsorte die andernorts fehlen.
Als natürliche Wasserspeicher nehmen Feuchtgebiete Niederschlags- und Flusswasser auf und geben es verzögert wieder ab. Dadurch wirken sie wie Schwämme: Hochwasser kann gedämpft werden und bei Trockenzeiten unterstützen sie den Grundwasserstand. Eine besondere Bedeutung haben Feuchtgebiete vor allem für den Klimaschutz. Moore speichern weltweit etwa 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, in etwa doppelt so viel wie alle Wälder zusammen. Das erstaunliche daran ist, dass Moore nur drei Prozent der Erdoberfläche ausmachen, Wälder dagegen 31 Prozent.
Dennoch ziehen Feuchtgebiete auch Probleme mit sich, denn wenn man sie entwässert, verlieren sie ihre Wirkung als Treibhausgasspeicher und emittieren zusätzlich das in ihnen gespeicherte Treibhausgas. So kommt es, dass Feuchtgebiete trotz ihres positiven Potenzials als CO2-Speicher jährlich fünf Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen ausmachen. Umso bitterer, dass 95 Prozent aller Moore in Deutschland entwässert oder stark beschädigt sind.
Entwässerte Moore können jedoch auch wiedervernässt werden. Dafür reicht es in vielen Fällen schon aus, kleine Dämmen zu bauen, Gräben zu schließen bzw. zu öffnen oder Drainagerohre zu entfernen. Nach der Wiedervernässung dauert es in der Regel etwa 5-10 Jahre, bis sich die Ökosysteme erholt haben. Technisch gesehen ist die Wiedervernässung von Mooren nicht so schwer und häufig günstiger als andere CO2-Minderungsmaßnahmen. Jedoch kann es zu Interessenskonflikten kommen, da ehemalige Moorflächen oftmals landwirtschaftlich genutzt werden.
Feuchtgebiete rund um Ulm
Das Naturschutzgebiet Gronne liegt nordwestlich von Ulm direkt an der Donau und umfasst etwa 39 Hektar. Das Gebiet zeichnet sich durch Wasser-, Verlandungs- und Landflächen aus, die vor allem der Vogelwelt als Rast-, Nahrungs- und Nistfläche dienen. Die Gronne ist Teil eines größeren ökologischen Netzwerks mit Verbindung zu anderen Feuchtgebieten des Donaurieds.
Ein weiteres Feucht- und Naturschutzgebiet ist die „Donau zwischen Munderkingen und Ulm und nördliche Iller“. Es ist 11,89 km2 groß und seit 2015 Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000, das durch die Zusammenlegung der ursprünglichen FFH-Gebiete Donau zwischen Munderkingen und Erbach, Donautal bei Ulm und Illertal entstanden ist.
Man findet auch im Botanischen Garten mehrere Feuchtgebiete, wie zum Beispiel den Teich. Umgeben von Röhricht und Schilf dient dieser im Frühjahr vielen Fröschen und Kröten als Laichplatz.
Weit über Ulm hinaus prägt das Donauried die Landschaft entlang der Donau zwischen Ulm/Neu-Ulm und Donauwörth. Es gehört zu den bedeutendsten Feuchtlandschaften Deutschlands. Innerhalb des Donaurieds liegt das Schwäbische Donaumoos, eines der größten zusammenhängenden Feuchtgebiete Süddeutschlands, das durch hohe Grundwasserstände und Niedermoorflächen gekennzeichnet ist. Diese Bereiche sind von internationaler ökologischer Bedeutung.
Bedeutung und Schutz
National und international wird der Schutz von Feuchtgebieten durch Vereinbarungen wie die Ramsar-Konvention gefördert – ein Abkommen, das 1971 in der iranischen Stadt Ramsar geschlossen wurde und den Erhalt von Feuchtgebieten von besonderer Bedeutung zum Ziel hat. Weltweit sind über 2.500 Feuchtgebiete Teil dieses Schutzsystems, und Deutschland zählt aktuell 35 ausgewiesene Ramsar-Gebiete.
Feuchtgebiete stehen jedoch weiterhin unter Druck: Seit 1970 wurden enorme Flächen entwässert oder umgewandelt, was zu einem massiven Verlust von Artenvielfalt und ökologischer Funktion führte. Entsprechend sind Schutz-, Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen zentrale Bestandteile moderner Naturschutzstrategien. In Deutschland engagieren sich auch Programme wie die Nationale Moorschutzstrategie oder das Bundesprogramm Natürlicher Klimaschutz für den Erhalt und die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, nicht nur zur Stärkung der Artenvielfalt, sondern auch zur Minderung von Treibhausgasen.
Benjamin Loos,
Mitglied in unserer Bürgerredaktion
Naturgemäß sollen Schutzgebiete auch vor allzu hohem Druck durch die Freizeitnutzung bewahrt werden. Wer die Schönheit der Feuchtgebiete um Ulm dennoch hautnah erleben will, findet im Schwäbischen Donaumoos attraktive Ausflugsziele wie die Straußenfarm „Eiland“ oder den Aussichtsturm „Gundelfinger Moos“. Die Umweltstation „mooseum - Forum Schwäbisches Donautal“ in Bächingen an der Brenz ist das zentrale Informations- und Bildungszentrum für die einzigartigen Lebensräume des Schwäbischen Donaumoos, in dem Besucher die faszinierende Welt der Moore, Auen und Flusslandschaften entdecken können.
Die Wege im Donaumoos führen durch die charakteristischen Moorgebiete. Entlang der Strecken bieten Aussichtspunkte faszinierende Einblicke in die Landschaft, Infotafeln vermitteln Wissenswertes über die Entstehung, den Schutz und die Bedeutung dieses besonderen Lebensraums.
Mehr Infos unter
www.arge-donaumoos.de