Cool down, aber zackig!
Ulms Innenstadt ist im Sommer ein heißes Pflaster - das wissen alle, die hier an einem Sommertag über den Münsterplatz zum nächsten Schatten hetzen, auf dem Bahnhofsvorplatz auf ihre Gäste warten oder am ZOB - gleich daneben - auf den Bus. Oder diejenigen, die ihre Einkäufe auf dem neuen Albert-Einsteinplatz begutachten.
Margrit Weig aus Einsingen meidet die Ulmer Innenstadt an einem heißen Sommertag. Wenn sie doch mal in die Stadt muss, sucht sie die Nähe zur Donau. Der Fluss kühlt die Umgebungsluft um ein bis drei Grad ab. Das Wasser verdunstet und entzieht dabei der Luft Wärme. Grundsätzlich wünscht sie sich für Ulm mehr Grün, damit es auch in der direkten Innenstadt, rund um die Geschäfte, kühle Oasen gibt. Bitteschön, ihr Wort in der Stadtverwaltung Ohren.
So ist ja geplant, dass die Fußgängerzone und ein paar Nebenadern in eine grüne Meile verwandelt werden. Bis zur Landesgartenschau 2030 war geplant - wegen klammer Kassen wird das nun erst danach gemacht. Und wegen der vielen Rohre und Kabel im Untergrund ist das mit den Bäumen und ihren Wurzeln auch gar nicht so einfach. Margit Weig beneidet im Sommer manchmal die Kinder, die von ihren Eltern in den Brunnen am Münsterplatz gehievt werden. Das wär’s! Aber Ulm ist halt nicht Rom. Und der Münsterplatzbrunnen nicht der Trevibrunnen. „Aber eine Gelegenheit zum Füße-Kneippen, sowas wäre toll.“
„Wenn es schon so richtig heiß war, habe ich gelegentlich Zuflucht im Ulmer Münster gesucht.“ Das sagt Karin Fröhlich. Die dicken Mauern aus Sandstein verbannen die Hitze fast komplett nach draußen. Innen herrscht ganzjährig eine Temperatur von 18 Grad, heißt es von Seiten der Münsterbauhütte. Vielleicht ist dann künftig der Klimawandel schuld daran, wenn es wieder mehr Menschen in die Kirchen zieht…
Renate Zoberbier hat einen Geheimtipp, der - egal ob im Urlaub oder in Ulm - garantiert immer funktioniert. „Ich flüchte in die Bank!“ In den Bank-Foyers kühlt sie sich dann zwischen den Ein- und Ausgabeautomaten ein paar Grad herunter, bevor sie sich wieder ins Freie wagt. Außerdem hätte Renate Zoberbier in Ulm gerne „Bächle“ wie Freiburg, entlang den Straßen. Dann könnte sie da ihre Füße reinhängen. Sie fragt: „Wäre es nicht möglich, ein bisschen was von der Blau abzuzwacken und sie oberirdisch durch die Innenstadt zu leiten?“ Bislang kommt sie aus dem Dichterviertel, tunnelt beim ZOB die Straße und taucht beim Deutschhaus wieder auf, bevor es durchs Fischerviertel weitergeht. „Wäre ein Umweg drin? Eine kleine Rinne wenigstens? Wenn die Fußgängerzone eh neu gemacht wird?“
Der Chef eines italienischen Restaurants am Münsterplatz, Luigi Macchia, grinst. An einem heißem Sommertag? Flucht?
Unmöglich. Was ihm auffällt: „Nie gibt es so viele Freiwillige unter meinen Mitarbeitern, die mal kurz was aus unserem Kühlhaus holen müssen.“ Neben dem brütend heißen Pizzaofen verschärft sich die Sommerhitze nämlich nochmal deutlich.
Eine Runde mehrerer Freundinnen genießt gerade kühle Getränke draußen auf dem Münsterplatz. Bei Hitze im Sommer muss die Innenstadt nicht ohne die jungen Frauen leben. Denn es gibt doch genug kühle Umkleidekabinen in den Geschäften, um mal kurz ein Päuschen zu machen und den Organismus wieder zu temperieren. So haben sie auf wieder genug Kraft für die großen Entscheidungen, die sich auf den Inhalt ihrer Einkaufstaschen auswirken. Welche nun die kühlste Umkleidekabine der Innenstadt ist? Sie überlegen. Das muss diskutiert werden!
Auch ich habe einen Tipp für einen extraheißen Tag in der Stadt. Auch wenn der neu sanierte Platz bei Friedrich-List-Schule und Ulmer vh seltsamerweise schon wieder aus einer fast durchgängigen Asphaltdecke besteht. Und Grün fehlt - ein kleines bisschen darf es hipsterig-urban ein Stück Außenfassade hochklettern. Aber: Aus dem Boden springen kleine Wasserfontänen. Und da herumzupritscheln macht meinen Kindern einen Riesenspaß. Am besten sind danach alle nass. Auch ich! Dann hält das Gefühl von Kühle noch ein bisschen an auf dem Heimweg. Falls nicht, waten wir noch etwas im Fischerviertel in die Blau hinein. Dort, wo auch der große Spatz im Wasser steht.
Isabella Hafner
