Ist noch Wasser da?
Der Klimawandel wirkt sich auch auf unsere Wasservorräte aus. Lange Dürreperioden lassen den Grundwasserspiegel bedenklich absinken, im Karst der Schwäbischen Alb um bis zu mehrere Meter. Noch sieht die Landeswasserversorgung keinen akuten Mangel, aber die Prognosen für die kommenden Jahrzehnte gehen von einem Rückgang der Grundwasser-Neubildung um 25 % in Baden-Württemberg, in manchen Regionen um bis zu 50 % aus. Grund genug für uns, mit dem wertvollen Trinkwasser sorgsamer umzugehen.
Den größten Teil des Ulmer Stadtgebiets und den Süden versorgen die SWU aus den Brunnen der „Roten Wand“ an der Iller mit Trinkwasser. Die Ortsteile Lehr, Mähringen und Jungingen erhalten Wasser vom Zweckverband „Ulmer Alb“ mit Brunnen z.B. im kleinen Lautertal. Immer wichtiger wird auch der Anschluss an die Landeswasserversorgung (LW), damit bei Engpässen weiter Wasser aus dem Hahn fließen kann. Die LW bezieht das Trinkwasser vor allem aus dem Donaumoos bei Langenau, aber auch aus aufbereitetem Donauwasser. Nicht nur Dürreperioden können zu Wassermangel führen. Treten etwa größere Hochwasser der Iller auf, können die Brunnen im Wasserschutzgebiet „Rote Wand“ überflutet und verunreinigt werden und müssen abgeschaltet werden, wie zuletzt 2019.
Muss unser Trinkwasser also künftig rationiert werden? Michael Simon, Pressesprecher der LW hofft dies nicht. „Hier sind die Kommunen gefordert. Dieses Jahr wird das Umweltministerium die Ergebnisse des Masterplans Wasserversorgung Baden-Württemberg veröffentlichen. Hierfür mussten alle Kommunen ermitteln, inwiefern ihre Trinkwasserversorgung zukunftsfähig und klimaresilient aufgestellt ist.“ Auch die Bürger*innen sind zu einem sparsameren Umgang mit dem Wasser angehalten. „Manche Kommunen haben bereits eine Wasserampel auf ihrer Website installiert, mit der sie die Einwohner für einen sensiblen, verantwortungsbewussten Umgang mit Trinkwasser sensibilisieren wollen. … Die LW setzt den Kommunen ab 2026 Sparanreize, indem Verstöße gegen die maximale Bezugsmenge auf Tageswertbasis sanktioniert werden.“
Wo wird das meiste Wasser verbraucht?
Steigt im Sommer die Temperatur und bleibt der Regen längerfristig aus, haben wir auch in Haus und Garten einen erhöhten Wasserbedarf. Um nicht die ohnehin knappen Trinkwasserreserven zu strapazieren, gibt es diverse Möglichkeiten, Wasser einzusparen. Die Klassiker wie Duschen statt Baden, nicht den Pool füllen oder das Wasser beim Zähneputzen abstellen etc. findet man überall im Internet.
Dass wir für die Toilettenspülung immer noch kostbares Trinkwasser nutzen, ist angesichts der aktuellen Entwicklungen fatal, in den meisten Häusern aber leider noch Standard. Täglich rund 150 Liter verbraucht ein Dreipersonen-Haushalt auf diese Weise, zehnmal mehr als der reine Konsum von Wasser beim Trinken und Kochen. Die Wasserstopp-Taste am Spülkasten ist daher ein Muss. Nachrüstsätze für alte Modelle ohne Spülstopp gibt es im Baumarkt ab 10 Euro. Beim Neu- oder Umbau sollte eine Regenwasserzisterne bzw. ein internes Grauwasser-System enthalten sein, das die Klospülung mit bereits genutztem Brauchwasser speist. So lässt sich bis zur Hälfte des Frischwasserverbrauchs einsparen, was auch die Wasserrechnung senkt. Für einen Durchschnittshaushalt ergibt sich dadurch eine Ersparnis von mehreren hundert Euro im Jahr.
Effizienter Gießen
Der Garten wird im Sommer zum Großverbraucher. Empfehlenswert ist es daher, mit Regenwasser zu gießen. Eine Regentonne findet fast überall Platz und entsprechende Rohre sind meist vorhanden. Wer etwas mehr investieren will, findet platzsparende Wassertanks mit ansprechendem Design, die auch auf den Balkon passen ab etwa 100 Euro. Ebenfalls erschwinglich sind kleine, meist solarbetriebene Tauchpumpen, die einem den mühsamen Weg mit der Gießkanne ersparen. Damit lassen sich auch automatische Systeme mit Tröpfchenbewässerung integrieren, die sehr sparsam arbeiten und im Urlaub gute Dienste leisten. Einsteigersets mit entsprechenden Schlauchleitungen hat jeder Gartenmarkt. Ohnehin ist Regenwasser den Pflanzen lieber, denn es ist weniger kalkhaltig als unser Alb-Wasser und nicht so eiskalt.
Ein gutes Timing ist beim Gießen wesentlich. Wer in der Mittagshitze oder generell tagsüber gießt, riskiert, dass das meiste Wasser direkt verdunstet, ohne an die Wurzeln zu gelangen. Ebenfalls nicht ratsam ist es, den Garten am späten Abend noch unter Wasser zu setzen. Der ideale Zeitpunkt ist der frühe Morgen, wenn der Boden abgekühlt ist und die Pflanzen ihre Tagesaktivität beginnen. Vorzugsweise gießt man nicht täglich, sondern lieber seltener und mehr. So gelangt mehr Wasser in tiefere Bodenschichten und die Wurzeln wachsen ebenfalls tiefer. Häufiges oberflächliches Gießen führt eher zu flachen Wurzeln und die Pflanzen vertrocknen bei Mangel schneller.
Ein No-Go bei Dürre sind kurz geschorene Rasenflächen mit häufig laufenden Rasensprengern. Diese verbrauchen mehrere hundert Liter Wasser in der Stunde und verteilen es oft oberflächlich und ungleichmäßig. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, sollte man nicht das billigste Modell wählen, sondern eher einen hochwertigen Kreisregner. Doch auch eine vertrocknete, gelbe Rasenfläche ist nicht tot, sondern nach der nächsten Regenperiode schnell wieder nachgewachsen. Schicken Sie Ihren Mähroboter bei Trockenheit am besten in die Sommerpause und lassen Sie das Gras gerne mal höher wachsen, das schützt den Boden vor Austrocknung. Dass eine einheimische Blumenwiese deutlich resistenter ist, als der gepflegte Kurzrasen, braucht man wohl nicht zu betonen.
Darf man Gießwasser aus der Blau entnehmen?
Das Schöpfen von Gießwasser aus der Blau oder anderen Flüssen und Bächen ist im Rahmen des „Gemeingebrauchs“ nur in geringen Mengen mit der Gießkanne erlaubt. Soll eine Pumpe eingesetzt werden, ist in jedem Fall eine Genehmigung der Wasserbehörde der Stadt Ulm erforderlich. Diese kann bei geringen Wasserständen die Entnahme auch untersagen, um Schäden am Gewässer zu vermeiden.
Wasser für unterwegs
Auch wir selbst haben einen höheren Wasserbedarf bei Hitze. Wer regelmäßig trinkt, bleibt auch bei höheren Temperaturen fitter und konzentrierter. Um nicht Unmengen von Plastikflaschen kaufen zu müssen, sollte man sich mit nachfüllbaren Trinkflaschen ausstatten. Doppelwandige Metallflaschen halten Getränke auch im Sommer lange kühl. Aber was tun, wenn sie unterwegs leer sind?
Trinkwasser erhält man inzwischen an vielen Orten. Die Stadt Ulm reagiert auf die Klimaerwärmung z.B. mit dem Aufstellen von Trinkbrunnen. Solche gibt es unter anderem vor der Münsterbauhütte und am südlichen Münsterplatz bei der Valentinskapelle, in der Herrenkellergasse vor dem Restaurant Elinaki, am Robert-Scholl Platz vor dem Weltladen, am Marktplatz vor der Bibliothek, im Söflinger Klosterhof sowie in Neu-Ulm vor dem Rathaus. Eine deutschlandweite Karte von Trinkwasserstellen findet sich unter www.watrify.de.
Die Initiative Refill-Deutschland ist ein Netzwerk engagierter Unternehmen und Organisationen, die allen einen kostenlosen Zugang zu Trinkwasser bieten. In allen Refill-Stationen mit dem blauen Aufkleber werden mitgebrachte Gefäße befüllt. Die Standorte sind der „Karte von Morgen“ zu entnehmen: refill-deutschland.de/karte/. In Ulm sind z.B. Ora D'Oro am Judenhof, Globetrotter in der Hirschstraße, die Bahnhofsmission, die Starbucks-Filiale am Münsterplatz und STA Travel im Hafenbad dabei sowie noch eine Reihe weiterer im Stadtgebiet. So lässt sich der Sommer aushalten…
Thomas Dombeck
Wieviel Wasser ist notwendig?
Der Deutsche Wetterdienst informiert kontinuierlich über den regionalen Wasserbedarf des Bodens:
www.dwd.de
