Wie nachhaltig ist unsere Region? Darüber diskutierten die Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger, der Ulmer OB Martin Ansbacher sowie Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises mit dem Journalisten Stefan Loeffler im Ulmer Stadthaus.
Wenn Katrin Albsteiger über Nachhaltigkeit in der Region denkt, hat sie ein Bild von grünen Städten vor Augen. „Das liegt daran, dass ich eine große Anhängerin von Fassadenbepflanzungen bin“, so die Oberbürgermeisterin der Stadt Neu-Ulm. Heiner Scheffold sieht die vielfältige Schönheit des Alb-Donau-Kreises vor sich, mit einer starken Wirtschaft, einem großen gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Ich sehe auch viele PV-Freiflächenanlagen und zunehmend Windräder, die hoffentlich noch mehr werden“, so der Landrat. Martin Ansbacher, Oberbürgermeister der Stadt Ulm, denkt bei dem Thema an eine große Gemeinschaft: „Ich sehe viele glückliche Menschen, die die Herausforderungen der Zeit zusammen bewältigt haben. Unsere Gesellschaft wird stärker, wenn wir uns intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen.“
PV-Anlage auf Neubauten Standard
Alle drei Verwaltungschefs saßen am Mittwoch auf der Bühne des Stadthauses, auf Einladung des Ulmer Initiativkreises nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (unw), der den Abend unter das Motto stellte „Nachhaltigkeit in der Region - Gute Beispiele, neue Perspektiven“.
Die Maßnahmen sind vielseitig. So sind zum Beispiel im Jahr 2023 auf den Weg gebrachten Klimaschutzkonzept der Stadt Neu-Ulm 29 Maßnahmen aufgelistet, mit denen das Ziel, die kommunale Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, umgesetzt werden soll. Unter anderem werde der Anteil der PV-Anlagen auf städtischen Dächern ausgebaut, so Katrin Albsteiger: „Auf jedem neuen Gebäude sind diese Anlagen bereits Standard.“ Auch Martin Ansbacher möchte bei der Installation von Dach-PV-Anlagen noch besser aufgestellt sein: „Hier müssen wir noch Gas geben“. Auch im Donautal seien, so habe er es auf einem Luftbild gesehen, noch etliche Firmendächern nicht bestückt. Vor kurzem habe die Stadt jedoch im Örlinger Tal eine fünf Hektar große Freiflächen-Anlage in Betrieb genommen, die bis zu 1.700 Haushalte versorgen könne. Der Ausbau von Anlagen für erneuerbare Energien im Alb-Donau-Kreis liege, so Landrat Scheffold, aktuell bei 72 Prozent. Bei den PV-Anlagen seien 675 Megawatt Erzeugungsleistung installiert: „In diesem Bereich sind wir ganz knapp hinter Biberach auf Platz zwei, aber ganz weit vor allen anderen Kreisen.“ Zur Errichtung neuer Windräder lägen derzeit über 120 Anträge vor.
Neu-Ulm nähert sich im Nahverkehr Ulmer Niveau an
Diskutiert wurde an dem von dem Ulmer Journalisten Stefan Loeffler moderierte Abend auch das Thema Mobilität. Für Katrin Albsteiger liegen die Schwerpunkte in diesem Bereich beim ÖPNV und dem Radverkehr. Hier spiele wie in allen Bereichen die Finanzierung jedoch eine große Rolle, allgemein stehe immer die Frage im Raum, wer die Kosten für den Klimaschutz übernehme. Enormes Potential sieht die Neu-Ulmer Rathauschefin beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die beste Voraussetzung hierfür ist der neue Nahverkehrsplan, den die Stadt gemeinsam mit Ulm umsetze. Um den Streckenausbau besser gestalten zu können, habe Neu-Ulm vor zwei Jahren die Aufgabenträgerschaft für den ÖPNV vom Landkreis Neu-Ulm übernommen, der durch den ländlichen Raum ganz andere Strukturen habe als das doppelstädtische Gebiet: „Jetzt können wir uns dem Ulmer Niveau nähern.“ Zum Beispiel könne man mit dem neuen Plan auf einigen Strecken sogar den 10-Minuten Takt anbieten. Katrin Albsteiger: „Das war vorher undenkbar.“ Die Fahrleistung des motorisierten Individualverkehrs bis 2040, um bis zu 25 Prozent zu senken, nennt sie selbst „sehr ambitioniert.“ Martin Ansbacher blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf Busse und Bahnen in seiner Stadt: „Unser ÖPNV ist sehr gut, aber unser ÖPNV ist auch sehr teuer, denn pro Jahr machen wir mit dem Angebot 30 Millionen Verlust.“ Dieser könne bislang über den kommunalen Querverbund gegenfinanziert werden. Doch wie lange noch? Andere Kommunen in Baden-Württemberg müssten ihr Nahverkehrsangebot bereits drastisch zurückfahren, so Ansbacher: „Wir leben in herausfordernden Zeiten“. Dennoch sehe er keinen Grund den Kopf in den Sand zu stecken, oder gar, wie vor ein paar Tagen auf dem Münsterplatz geschehen, die Energiewende in einem Trauerzug zu Grabe zu tragen: „Wenn wir alle zusammen pragmatisch und mutig sind, können wir unsere Ziele auch erreichen.“
