Wilder Naschpfad - Über 170 Pflanzenarten dokumentiert
Das Agenda-Team Landesgartenschau arbeitet ein Konzept für einen Infopfad über essbare Wildpflanzen an der Wilhelmsburg aus. Unterstützung bekommt es dabei von der Masterstudentin Nina Riegel.
Beeren, Wurzeln, Kräuter, Früchte: Seit Jahrtausenden begleiten Pflanzen die Menschheitsgeschichte. Dennoch besitzen heute nur noch wenige Menschen eine umfassende Kenntnis über Pflanzenarten und die Möglichkeiten ihrer Nutzung. Das Agenda-Team Landesgartenschau hat dabei besonders essbare Wildpflanzen im Auge: Als eigenes Angebot zur Landesgartenschau 2030 und darüber hinaus wollen die Engagierten aus Bürgerschaft und Fachkreisen einen Lehr- und Mitmachpfad entlang der Wilhelmsburg und bis zum Botanischen Garten einrichten. der nicht nur den Gästen der Landesgartenschau, sondern vor allem auch den Ulmerinnen und Ulmern die heimische Flora und ihre Vorzüge als Nahrungsmittel näher bringen.
„Dafür mussten wir zunächst ermitteln, welche Pflanzenarten in dem Bereich des Lehrpfades überhaupt vorkommen“, erklärt Stefan Brändel, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Botanischen Garten der Uni Ulm und Mitglied des Agenda-Teams. Unter seiner Betreuung hat dafür Nina Riegel im Rahmen ihrer Masterarbeit die Arten der blühenden Pflanzen im Zeitraum von April bis Juli 2025 zwischen Wilhelmsburg und Botanischem Garten erhoben. Sie bestimmte und dokumentierte die beeindruckende Zahl von 174 Pflanzenarten aus 44 Familien, davon sind 132 Arten essbar.
Damit man eine Vorstellung von der Vielfalt bekommt: Riegel fand Arten mit essbaren Früchten wie Schwarzen Holunder, Schlehe oder Walderdbeere. Unter den Kräutern waren viele Heilkräuter wie Salbei, Brennnessel oder Johanniskraut, aber auch solche, die eher als Gewürzkräuter verwendet werden, beispielsweise Knoblauchrauke, Gundermann und Thymian. Es gibt Arten, die sich als Kaffeeersatz eignen, darunter Löwenzahn und echtes Labkraut. Interessant ist, dass viele Arten ganz oder in ihren Teilen (Wurzel, Blätter, Blüten Früchte) gleich für mehrere Zwecke geeignet sind. So ist der Bärlauch nicht nur für würzige Pestos geeignet, sondern auch ein wirksames Heilkraut bei Herz- und Kreislauferkrankungen.
Die Arbeit von Riegel geht weit über die Erhebung der vorkommenden Pflanzenarten hinaus: Im hinteren Teil entwickelt sie zur Unterstützung des Teams der lokalen agenda sechs Informationstafeln für den Lehrpfad, die die Themen „Wilde Gewürze“, „Heißgetränke aus der Natur“, „Wilde Naschpflanzen“, „Herzhafte Gerichte aus der Natur“, „Wilde Süßspeisen“ sowie „Heilende Kraft der Natur“ darstellen. Auch Anregungen zur Weiterentwicklung der Projektidee sowie mögliche Probleme werden thematisiert und reflektiert.
Riegel hat sich von der Idee des essbaren Wildpflanzenpfades begeistern lassen: „Der Pfad soll den Besuchern und Besucherinnen zeigen, wie vielfältig essbare Wildpflanzen selbst in städtischen Gebieten und der angrenzenden Natur vorkommen. So kann sich ein Bewusstsein für die heimischen Pflanzen und deren Schutz entwickeln.“ Das Team ist beeindruckt von der umfangreichen Arbeit: „Mit dem Datenmaterial können wir nun weiterarbeiten, das Konzept für die Infotafeln ausarbeiten und ermitteln, wo eventuell noch Nachpflanzungen von Wildpflanzen nötig sind, um den Besuchenden die Sichtung vom Infopfad aus zu erleichtern“, fasst Antje Liskien Diener vom BUND zusammen, die als Wildpflanzenexpertin die Idee zu dem Pfad vor zwei Jahren in das ehrenamtlich arbeitende Team eingebracht hat.
Der nächste Schritt ist nun die Zusammenstellung der Kosten, die für die Einrichtung des Pfades anfallen. Damit will das Team an die Stadt herantreten, um weitere Schritte und Finanzierungsmöglickeiten zu besprechen.
Das Team freut sich über weitere Mitwirkende. Kontakt über das Agenda-Büro.
Petra Schmitz
