Interview mit Bio-Landwirt Johannes Schmid

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Interview mit Bio-Landwirt Johannes Schmid

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Johannes Schmid baut Christbäume auf seinem Biolandhof chemiefrei unter der Markle "Waldemar" an.

Seit wann gibt es die Christbaumzucht am Hof Schmid?
Seit 28 Jahren. Damals hat mein Vater die Idee von einer Exkursion in den Norden mitgebracht. Wir haben das dann einfach mal auf einem halben Hektar ausprobiert. Im Prinzip haben wir von Anfang an biologisch gewirtschaftet, waren aber nicht zertifiziert. 2019 habe ich dann den Hof übernommen und die Bioland-Zertifizierung nachgeholt. Damit sind wir bisher sehr gut gefahren.

Wie groß ist der Marktanteil von biologisch produzierten Weihnachtsbäumen?
Erschreckend gering, ich glaube, nicht mal ein Prozent. Bei Robin Wood gibt es dazu Zahlen.

Und warum?
Ich denke, das ist im Moment noch ein Nischenprodukt. Die meisten Produzenten sind Klein- und Familienbetriebe. Und natürlich ist der Bioanbau mit viel mehr Arbeit verbunden. Konventionelle Betriebe halten den Boden durch Spritzmittel frei und der Baum kann sich besser entfalten. Außerdem werden Hormone gespritzt, um den Austrieb zu regulieren. So lässt sich viel einfacher ein „idealer“ Weihnachtsbaum heranziehen. Wir müssen von Hand mähen und die Bäume schneiden, damit sie eine schöne Form erhalten. Vor allem in den ersten drei Jahren ist der Pflegeaufwand sehr hoch.

Lässt sich eine Bio-Plantage rentabel betreiben?
Im Vergleich zum konventionellen Anbau ist der Ertrag geringer, da wir viel höhere Kosten haben. Beispielsweise zahlen wir einige hundert Euro im Jahr für die Bioland-Kontrollen und die Mitgliedschaft im Verband. Auf der anderen Seite werden Bio-Bäume zu ähnlichen Preisen gehandelt wie konventionelle. Wir sind da bei rund 22 bis 28 Euro pro laufendem Meter.

Wo bekommt man Ihre Bäume?
Wir haben seit einigen Jahren einen gut laufenden Hofverkauf hier bei uns in Oggelshausen. Außerdem beliefern wir umliegende Geschäfte in Biberach und Gärtnereien, wie z.B. Frey in Ulm, liefern aber auch bis nach Pforzheim und Nesselwang. Am dritten und vierten Adventswochenende kann man sich bei uns in der Kultur die Bäume auch selbst schlagen. 

Das ist dann ein Highlight für die ganze Familie. Die Kunden schätzen das sehr, weil sie die Bäume so ganz frisch bekommen. Im konventionellen Verkauf werden Weihnachtsbäume ab Anfang November geschlagen, so dass sie am Heiligabend oft schon 7 Wochen alt sind. Inzwischen sind selbst geschlagene Bäume unser Hauptgeschäft und die Leute kommen jedes Jahr wieder.

Interview: Thomas Dombeck