Ein gutes Leben für alle
Der Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V. (unw) stellt seit zwei Jahren in seinem Blog „Initiativ“ Menschen und Geschichten aus der Region vor, die auf ihre ganz eigene Art Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen und allesamt ein Ziel vor Augen haben: nachhaltig denken und wirtschaften. Drei Beispiele.
Globale Veränderungen durch lokales Handeln
Als Stand Up-Paddlerin steht Simone Schliemann auf festen Beinen. Und auch im täglichen Leben lässt sich die 53-Jährige nicht so leicht aus dem Gleichgewicht bringen, auch wenn sie die momentane Weltlage oftmals an den Rand der Verzweiflung bringt. Dies gilt nicht für ihre Aufgabe als Eine Welt-Regionalpromotorin für Ulm, den Alb-Donau-Kreis, Heidenheim, Göppingen und den Ostalb-Kreis. Als Mitarbeiterin der Ulmer Volkshochschule unterstützt und vernetzt sie im Rahmen dieses bundesweiten Projektes meist ehrenamtliche Initiativen und Vereine in ihrem lokalen Einsatz für eine gerechte und nachhaltige Welt.
„In meiner Tätigkeit habe ich vor allem gelernt, wie wichtig es ist, die Perspektive zu wechseln und zu erkennen, wie wir auch durch unser lokales Handeln globale Veränderungen herbeiführen können und müssen“, so die Diplom-Pädagogin. Nachhaltig beeindruckt ist sie jedoch vor allem von dem mitunter unerschütterlichen Engagement vieler Ehrenamtlicher: „Ich kenne Menschen, die sich seit 50 Jahren für globale Gerechtigkeit in der Welt einsetzen.“ Und es sind diese Begegnungen und Verbindungen, die Simone Schliemann voll und ganz erfüllen: „Trotz einiger Rückschläge engagieren sich diese Menschen unbeirrt weiter für Solidariät. Das inspiriert mich sehr und gibt mir auch Energie und Zuversicht.“
Der Garten lebt immer
Grün ist anders. Die Bäume und Sträucher im Garten des Generationentreff Ulm/Neu-Ulm haben Anfang Dezember fast alle Blätter verloren. Und auch die Nachbarn sind nicht mehr da. Logisch, im Herbst, wenn die Sonne ihre wärmende Kraft eingebüßt hat, werden üblicherweise die Gartenstühle zusammengeklappt, das Laub gerecht und das Grundstück winterfest gemacht. Bis zum nächsten Frühjahr dann, und tschüss!
Doch Josef Unsöld kann man in dem 500 Quadratmeter großen Garten auf dem ehemaligen Gelände der Neu-Ulmer Landesgartenschau auch im Winter treffen. „Der Garten lebt an 365 Tagen im Jahr“, so der 75-Jährige, der seit elf Jahren in Rente ist und seit 2018 die Parzelle für den Generationentreff betreut. Auch in der kalten Jahreszeit gilt es hier Lauch, Rosenkohl und Zuckerhut zu ernten. In dem Garten am Efeuweg treffen sich im Frühjahr und Sommer jedoch nicht nur Seniorinnen und Senioren zu geselligen Veranstaltungen, sondern hier tummeln sich auch Grundschüler mit ihren Lehrkräften. Und das ist gut und wichtig.
„Ich bin oftmals sehr enttäuscht, wie viele Kinder kein Interesse an der Natur zeigen, viele wissen nicht einmal, was Heu ist“, so Josef Unsöld: „Wenn wir Schüler zu Exkursionen einladen, sollen sie nicht nur die Natur erkunden, sondern sie aktiv mitgestalten.“ Und so lernen die Kleinen unter seiner Obhut zum Beispiel, wie man ein Insektenhotel baut. Gemeinsam pressen sie Traubensaft und beobachten die Entwicklung von Tomaten vom Samen bis zur Ernte.
Ausgezeichnet
Geschäftsführer der AG West, geschäftsführender Vorstand des Kinderladens an der Jugendfarm, Mitbegründer des Flüchtlingsrats, ehemaliger Sozialplaner der Stadt Ulm, langjähriges Mitglied des Gemeinderats, und, und, und.
Für seine zahlreichen Aktivitäten im Sinne eines nachhaltig geprägten Miteinanders ist Markus Kienle nun mit der baden-württembergischen Staufermedaille ausgezeichnet worden. Verliehen wird die silberne Plakette, plus Urkunde, für Verdienste um das Gemeinwohl, die über die beruflichen Pflichten hinausgehen.
Das trifft auf den gelernten Altenpfleger zu 100 Prozent zu, der sich nicht nur durch ein hohes Maß an ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement ausgezeichnet, sondern auch für seine kreative Ideen, sein Durchhaltevermögen und sein konsequentes Handeln bekannt und vor allem beliebt ist. Dieser unermüdliche Einsatz für die Menschen in der Stadt drückt sich für den 62-Jährigen nicht nur in der Arbeit in Vereinen, sondern auch bei der Mitwirkung in Bürgerinitiativen aus. So lief er unter anderem mit der Initiative „Das bessere Müllkonzept“ vor Jahren gegen eine geplante Müllverbrennungsanlage im Ulmer Industriegebiet Sturm.
Markus Kienle hat viele Dinge vor allem im Ulmer Westen angestoßen, unter anderem verankerte er die Sozialraum-Entwicklung in allen Stadtteilen und schrieb das Konzept für die „Internationale Stadt“. Unter der Führung des Kulturwissenschaftlers und Pädagogen entstand ein Netz an Begegnungsstätten, wie das Canapé Café und das Café Blau sowie eine Vielzahl an Angeboten für Kinder und Jugendliche, Familien und Menschen mit Migrationshintergrund. Auch eine schwere Erkrankung konnte den Geschäftsführer der AG West nicht aus der Bahn werfen.
Trotz aller Bescheidenheit ist der immer noch sehr engagierte Ulmer auch ein bisschen stolz auf die Auszeichnung. „Ich habe mich besonders darüber gefreut“, so der ehemalige Oberbürgermeister-Kandidat der Grünen, „dass sich so viele mit mir gefreut haben.“
Stefan Loeffler
„Nachhaltigkeit in der Region. Gute Beispiele - neue Perspektiven“. So lautet der Titel der diesjährigen Stadthausveranstaltung des Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (unw), die am 6. Mai stattfindet. Auf dem Podium diskutieren der Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher, seine Neu-Ulmer Kollegin Katrin Albsteiger und Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises. Beginn der Veranstaltung ist um 18.30 Uhr.